Eine der häufigsten Fragen, die mir immer wieder gestellt wird ist die, wie ich dazu gekommen bin, Trauerrednerin zu werden und zu meiner Motivation dazu. Und gerne möchte ich diese als ersten Blog-Beitrag beantworten (in der ausführlichen Version):

Wie viele andere, die in diesen Berufen arbeiten, bin ich vor 25 Jahren durch eigene tiefe Betroffenheit dazu gekommen, mich sehr viel mit den Themen Tod und Trauer zu beschäftigen. Ich hatte ein sehr großes Bedürfnis, mich mit anderen Trauernden auszutauschen, besuchte eine Trauergruppe und nahm an Wochenenden für Trauernde teil. Ich verschlang regelrecht Bücher zu den Themen Trauer und Tod und zum Sinn des Lebens.

Für mich war es der richtige Weg, sich der Trauer zu stellen und mich damit zu beschäftigen. Ich fand viel Unterstützung durch den Verein Förderkreis für krebskranke Kinder im Allgäu. Unter Gleichbetroffenen fühlte ich mich sehr verstanden und gut aufgehoben. Mit ihnen konnte ich über all die Themen sprechen, die für Außenstehende meist nur sehr schwer zu verkraften waren. Die überfordert waren mit mir und den Themen, die mich beschäftigten.

Ich befand mich in einer Welt, in der Alltagsthemen nicht mehr wichtig waren. Und ich ertrug es nicht mehr zu hören, wie sich jemand darüber aufregen konnte, dass sein Kind nicht die erwarteten schulischen Leistungen brachte. Und ich sah, dass es auch anderen Trauernden so erging.

Meine Trauer brachte mich dazu, nachzudenken und zu Vielem eine andere Meinung zu bekommen. Und ich lernte viele mir sehr wichtige Menschen dabei kennen.

Nach einigen Jahren, als meine eigene Trauer einen guten Platz in mir gefunden hatte merkte ich, dass ich das, was ich selbst an Unterstützung und Zuwendungen erhalten hatte, an andere Betroffene weitergeben möchte. So engagierte ich mich zunehmend mehr in dem Verein für krebskranke Kinder. Und als das Kinderhospiz in Bad Grönenbach noch in der Planung war, da kam man auf mich zu und fragte, ob ich Interesse daran hätte, dabei mitzuwirken. Und so kam es, dass ich nicht nur die Vereinsgründung mit vorbereiten, sondern auch das Grundstück zusammen mit einigen anderen Gründungsmitgliedern und dem damaligen Landrat Johann Fleschhut mit aussuchen durfte. Und ich freue mich sehr darüber, was aus dieser einstigen Gründung wurde und dass so vielen Betroffenen dadurch sehr geholfen werden konnte.

Ich setzte mich eine Zeit lang für die Öffentlichkeitsarbeit ein und machte eine Ausbildung zur Familienhelferin beim Kinderhospiz mit. Doch als im Verein für krebskranke Kinder ein neuer Vorstand gesucht wurde, da arbeitete ich dort ehrenamtlich zunächst als 2. Vorsitzende und dann einige Jahre als 1. Vorsitzende mit. Denn dieser Verein lag mir schon immer ganz besonders am Herzen.

In der Funktion als Vorsitzende musste bzw. durfte ich auch an vielen Spendenübergaben teilnehmen und musste lernen, auch vor sehr vielen Menschen zu sprechen. Doch damit hatte ich kein Problem. Schon als ich noch ein Kind war sagte meine Mutter immer zu mir: “Also reden kannst du ja” – besonders wenn sie in einer Diskussion mit mir mal wieder irgendwann aufgab. 🙂 Und später hielt ich bei fast sämtlichen Familienfeiern immer gerne Vorträge, die auch wirklich gerne gesehen waren 🙂 und trug auch sonst immer gerne zur Planung von Festen mit bei.

Ich schrieb auch von  jeher sehr gerne Aufsätze und Gedichte und auch Tagebuch. Und nach dem Tod meines Vaters hatte ich das große Bedürfnis, meine persönlichen Geschichten und Gedanken zum Thema Trauer in einem Buch zusammenzufassen. Es war nicht einfach, denn beim Schreiben holten mich die Gefühle sehr stark ein. Und doch war es der richtige Weg für mich, meine eigene Trauer weiter zu verarbeiten.

Jetzt fühlte ich mich bereit dazu, selbst in die Trauerarbeit einzusteigen und machte dazu eine Ausbildung mit, die von der deutschen Kinderkrebsstiftung für Mitglieder der Elternvereine und hauptberuflich Tätige im Bereich Trauer angeboten wurde. Dort durfte ich an einer sehr fundierten Ausbildung nach dem Standard des Bundesverband Trauerbegleitung teilnehmen und seitdem durch jährlichen Aufbauseminare immer weiter dazu lernen.

Nun hatte ich zu meinen eigenen Erfahrungen auch das fachliche Hintergrundwissen und konnte dies einsetzen im Rahmen einer Familien- und Trauerbegleitung im Verein für krebskranke Kinder.

Und auch beruflich ergab es sich, dass ich für etwa zwei ein halb Jahre bei einem Bestatter in der Beratung arbeiten durfte. Diese Arbeit lag mir und erfüllte mich sehr. Hier konnte ich auch meine Fähigkeiten im Umgang mit Menschen einbringen. Meine Empathie und mein echtes Interesse an dem, was sie bewegt. Und dazu beitragen, eine würdige und passende Trauerfeier zu planen.

Und da ein eigener Abschiedsraum zur Verfügung stand, durfte ich dort auch Abschiedsfeiern mit Worten begleiten. Etwas, das ich auch im Familien- und Freundeskreis bei Trauerfeiern schon des Öfteren machte. Und die Rückmeldungen dazu waren ausgesprochen gut. Auch wenn Reden im eigenen Trauerfall mit sehr viel Emotionen begleitet sind. Und ich habe seither auch Hochachtung vor jedem, der eine solche sehr persönliche Ansprache für seine/n Verstorbene/n hält. Und doch ermutige ich jeden dazu, weil es direkt von Herzen kommt und es nicht persönlicher sein könnte.

Durch einen Umzug in die Ulmer Gegend ergab sich für mich die Frage nach meiner weiteren beruflichen Zukunft. Und nachdem es schon sehr lange mein Wunsch war, mich in dieser Richtung selbständig zu machen und ich auch von vielen Freunden und meiner Familie die Ermutigung dazu erhielt, entschloss ich mich dazu, als Trauerrednerin und Trauerbegleiterin tätig zu werden.

Seit Mai 2017 bin ich nun dabei, mir diese Selbständigkeit aufzubauen. Und ich bin unglaublich froh, diesen doch unsicheren Weg gegangen zu sein. Ich habe “meinen” Weg gefunden und meinen Beruf, der für mich eher eine Berufung bedeutet.

Darin kann ich all meine Fähigkeiten vereinen – die Freude am Umgang mit den unterschiedlichen Menschen und das Interesse an ihren Lebensgeschichten, mein Einfühlungsvermögen und meine Fähigkeiten, in der Trauer hilfreich zur Seite zu stehen, meine Fähigkeit zur absoluten Verschwiegenheit, meine Freude am Schreiben, und mein offensichtliches Talent dazu, diese Worte in einer Rede in der richtigen Art und Weise herüberzubringen.

Und nicht zuletzt, die gesamte Trauerfeier von Beginn bis zum Ende so zu gestalten, dass sie “rund” wird und stimmig für den Verstorbenen selbst und für die Angehörigen.

Ich freue mich sehr über die vielen guten Rückmeldungen zu meinen Reden, doch vor allem freut es mich zu hören, dass die Trauernden nach dem Trauergespräch und durch die Trauerfeier gestärkt ihren Lebensweg weitergehen konnten. Gerade die erste Zeit nach einem Trauerfall ist sehr entscheidend dafür, wie der weitere Trauerverlauf sein wird. Das Trauergespräch, das in der Regel zwei Stunden dauert, aber in einigen Fällen auch schon drei und mehr Stunden verlief, ist dabei von ganz großer Bedeutung.

Das war jetzt doch sehr viel zu meiner Geschichte. Und in einem Trauerfall erzähle ich in aller Regel nichts von meinen eigenen Trauererfahrungen. Denn dabei geht es nur um das Leben und das Wesen des Verstorbenen und die Trauer der Hinterbliebenen. Doch wem der Hintergrund zu meiner Arbeit wichtig ist, der hat auch das Recht darauf, diesen zu erfahren.

Ich gehe offen mit meiner Geschichte um. Und ich hoffe, dass ich auch bald mein Buch fertig haben werde und einen Verlag finde, der dies veröffentlicht. Um damit anderen Betroffenen die Hoffnung zu geben, dass Trauer überwunden werden kann und das Leben irgendwann wieder lebenswert und schön sein kann.

 

Meine Motivation dazu, Trauerrednerin zu werden

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